UnternehmenRegion Consulting

Sozialraumanalyse und Sozialraummanagement

aNFÜHRUNGSZEICHENBeratung braucht Qualität
 10 Argumente für die Beraterwahl  Pfeil
Fundgrube - Juni 2011
zurück zur Übersicht

Sozialräumliche Differenzierungsprozesse in Städten, Landkreisen und Gemeinden nehmen zu. Soziale Probleme polarisieren sich teilräumlich immer stärker - mit der Tendenz zunehmender sozialer Segregation innerhalb und zwischen den Kommunen. Diese sind mit ihrem Selbstverwaltungsauftrag, gleichwertige und einheitliche Lebensverhältnisse zu schaffen, strukturell an ihren Grenzen angelangt. Mit dem ihnen zugewiesenen vergleichsweise geringen Potential an Handlungsmöglichkeiten in Verbindung mit einer lokal nur begrenzt beeinflussbaren Haushaltslage haben sie lediglich einen eingeschränkten Spielraum für eine offensive lokale Sozialpolitik.

Ein Sozialraum ist Lebensraum, Quartier, Heimat, der soziale Mikrokosmos, in dem sich gesellschaftliche Entwicklungsprozesse widerspiegeln. Je nach Grad sozialer und räumlicher Segregation kumulieren in bestimmten Gebieten einer Kommune die Problemlagen: Wirtschaftsentwicklung und Arbeitslosigkeit verändert die Nachbarschaft, Wanderungsprozesse verändern die Zusammensetzung der Bevölkerung und werfen Fragen nach dem Zusammenleben verschiedener ethnischer Gruppen auf, demographische Prozesse lassen einzelne Quartiere altern oder bewirken ebenfalls einen Bevölkerungsumbruch.

Die Sozialraumanalyse ist ein Ansatz, Lebensräume möglichst realitätsgetreu und wirklichkeitsnah abzubilden.

Die Informationsbasis über die Lebenswelt, Lebensräume, die sie prägenden Strukturen, Form des Zusammenlebens, Milieus, Zusammenhänge zwischen Bau-/Wohnformen und Wohlbefinden, Spannungen, Konflikte und lokale Milieus ist der Problemlage unangemessen. Statistiken helfen nur bedingt weiter, weil sie die Ursachen für bestimmte Entwicklungen nicht ausreichend abbilden. Qualitative Verfahren zur Erfassung von Lebensverhältnissen und Problemlagen sind allerdings nicht die Regel, obwohl sie für eine authentische Rekonstruktion der Lebenswelt unverzichtbar sind.

Ziel einer qualifizierten Sozialraumanalyse ist ein umfassendes, integriertes, kleinräumiges und aktuelles soziales Planungsinformationssystem. Sozialraumanalyse ist eine wesentliche Grundlage für Sozialplanung.

Dabei geht es im Einzelnen um

  • die stadt- bzw. landkreisspezifische Darstellung kleinräumiger Strukturen, Probleme und Entwicklungsvorhaben,
  • die Klärung geeigneter Sozialraumzuschnitte (ab welcher Größenordnung geht der Lebensweltbezug verloren und inwieweit treffen offizielle Gebietsgliederungen faktische Lebenswelten?),
  • die Darstellung von sozialer Ungleichheit und Unterversorgungslagen im Querschnitt und Zeitverlauf,
  • die Ermittlung besonderer Bedarfsgruppen und vorrangiger Räume, denen in Zeiten knapper Finanzierung in erster Linie Unterstützung zukommen soll,
  • die Ermittlung von Ressourcen und Potentialen nachbarschaftlicher Hilfen, sozialer Netzwerke und bürgerschaftlichen Engagements in den Quartieren,
  • die Schaffung einer Informationsbasis für lokale Aushandlungsprozesse und damit ein höheres Maß an Transparenz

Das Feld sozialräumlicher Analysen ist in der Praxis sehr heterogen. Es reicht von der Gebietstypisierung durch Erfahrungswissen über die Konfiguration als Versorgungsräume für soziale Dienstleistungen bis zu ausgefeilten sozialökologischen Analysen der Lebensverhältnisse mittels unterschiedlicher Indikatoren.

Ein brauchbares System sozialer Indikatoren soll als "Monitoring" die dauerhafte und systematische Beobachtung sozialer Entwicklungen und Probleme ermöglichen. Zentrale Indikatoren für die Sozialraumanalyse sind Angaben zur Bevölkerungsstruktur, Erwerbs-, Einkommens-, Bildungs- und Wohnsituation, städtebaulichem Zustand, gesundheitlichen Lage, zu administrativen Interventionen und zur Infrastrukturausstattung.

Eine lebensweltorientierte Sozialraumanalyse wird erst in einer Gesamtschau wirkungsvoll, wenn sie verschiedene Blickwinkel repräsentiert und unterschiedliche Instrumente zur Informationsgewinnung zusammenfasst: regionalisierte Indikatorensysteme, datengestützte Quartierprofile, Befragungen der Quartiersbevölkerung oder einzelner Bevölkerungsgruppen, Experten- und Schlüsselpersonenbefragungen, Planungs-, Zukunfts- und Innovationswerkstätten mit den Bewohner, in denen sie ihre Wünsche, Bedürfnisse und Interessen zum Ausdruck bringen können, Sozialreportagen, Sozialfotographie u.a.m.

Die Sozialraumanalyse zeigt also auf, wo sich soziale Problemlagen zuspitzen und wie sich die verschiedenen Sozialräume im Vergleich entwickeln. Methodisch anspruchsvolle Untersuchungen verdeutlichen, welche Vorzüge oder Nachteile, welche Stärken oder Schwächen, welche Potentiale oder Defizite einzelne Quartiere haben und verbessern damit die Platzierung einzelner Vorhaben, Projekte, Standortentscheidungen, Umwidmungen von Infrastruktureinrichtungen u.a.

Die Sozialraumanalyse dient als Entscheidungsbasis für die Verteilung der finanziellen Ressourcen. Eine noch so qualifizierte Sozialraumanalyse ersetzt nicht den politischen Aushandlungsprozess über die Verteilung der Mittel.

Eine sozialräumliche Planung, die auf einer Sozialraumanalyse aufbaut, braucht einige zentrale Voraussetzungen:

  • einen kommunalpolitischen Grundsatzbeschluss bzw. förmlichen Auftrag der Verwaltungsspitze mit klaren Zielsetzungen und Vereinbarungen zur Planungskooperation,
  •  die Einrichtung verantwortlicher Gremien und Strukturen für das lokale Entwicklungsmanagement, z. B.: fachliche Kooperationszirkel für soziale Entwicklungsziele (Jugend, Schule, Soziales, Gesundheit etc.), interdisziplinäre Arbeitsgruppen für integrierte Planungs- und Umsetzungskonzepte (Stadt- und Stadtentwicklungsplanung, Umweltplanung, Sozialplanung etc.), politische Unterausschüsse zur Vorbereitung sachgerechter Entscheidungen, ein Stadtteilbüro mit eigenem Betriebskonto (für Projekte, Initiativen, Jobs, Mieten und Sachkosten), ggf. auch eine eigene Entwicklungsagentur,
  • eine tragfähige Kooperation mit allen Akteuren im Sozialraum: den Bürgern, Investoren, Bauträgern, örtlichen Schlüsselpersonen und politischen Gremien, Institutionen, Vereinen und Verbänden - als vertrauensvolle Beziehungsarbeit trotz aller unterschiedlichen Standpunkte,
  • eine ergebnisoffene, prozesshafte Organisation der Planung,
  • die Integration von Förderinstrumenten in die Planung (SGB III, BSHG, Wohnungsbauförderung, städtebauliche Programme, EU-Förderung u.a.).

Entscheidend: Integrierte Entwicklungsplanung für Stadt, Landkreis und Gemeinde als Umsetzungsperspektive von Sozialraumanalysen. In der Raumordnung und Bauleitplanung sind soziale Qualitätsziele, Standards für sozialverträgliches Bauen und Wohnen unterentwickelt. Wenn soziale Arbeit mehr als Reparieren bedeutet, wenn der präventive Ansatz ernst genommen werden soll, ist hier ein Umdenken notwendig. Eine Lokale Agenda 21 für die nachhaltige Entwicklung der Kommunen liefert ein Leitbild und bietet einen Aktionsrahmen für eine schrittweise Umsetzung von Strategien, Projekten und Maßnahmen. Aufgabe der Sozialplanung hierbei wird sein, darauf zu achten, dass neben den ökonomischen und ökologischen Aspekten auch die soziale Frage gleichrangig behandelt wird.

Quelle nach: Verein für Sozialplanung e.V. www.vsop.de